Business

Plädoyer für die eigene Unlinearität

Porträt Katja Reetz, kopf ragt von links in das Bild hinein, daneben steht ZICK ZACK im Hintergrund ein Fels.

Last Updated on 20. Oktober 2026 by Katja Reetz Visualcoaching

Letzte Woche hat Judith Peters gefragt, wie sich meine Persönlichkeit auf mein Business auswirkt und welche meiner Eigenschaften mein Leben am meisten prägen. Darunter hat sie eine Reihe von verschiedenen Konzepten aufgelistet (vom Human Design über Astrologie bis hin zu Ayurveda-Typen), die mich zunächst auf die „falsche Spur“ gebracht haben.

Ohne viel Wenn und Aber, ohne irgendwelchen starren Konzepten zu folgen, würde ich sagen: Es ist meine Unlinearität in einer sehr linearen Gesellschaft, die mich, mein Leben und mein Business ausmacht. Und das im besten Sinne.

Funktionieren im Takt der Gesellschaft – warum wir Linearität gelernt haben

Diese Aussage, dass wir in einer sehr linearen Gesellschaft leben, mag im ersten Moment verwundern. Denn die momentanen Zeiten muten alles andere als linear an.

Und doch sind wir als Gesellschaft sehr davon geprägt, dass alles seinen geregelten Gang geht. Spätestens ab der Schule wird von uns erwartet, dass wir morgens früh aufstehen und einem geregelten, festgelegten Tagesablauf nachgehen – egal ob das für uns passt oder nicht.

Erste Stunde Mathe, zweite Stunde Sport, dann Biologie, Deutsch, Englisch und Kunst-AG. Ab nach Hause, Hausaufgaben machen, vielleicht noch Musikunterricht oder Sportverein.

Klar haben wir die Wahl zwischen verschiedenen Sportarten und auch die Wahl des Musikinstruments dürfen wir bestenfalls frei treffen. Bei der Auswahl der Stücke, die wir gerne spielen würden, wird es dann allerdings schnell eng.

Nach der Schule dann Ausbildung oder Studium, vielleicht gönnen wir uns noch ein Jahr Pause, um die Welt zu bereisen. Dann wird es aber auch schon höchste Zeit: Heiraten, Kinder kriegen, Häuschen bauen, dabei die Karriere nicht aus dem Blick verlieren usw… usf.

Verkaufsregal in einem Kurzwarengeschäft mit verschiedenen Seilrollen und Zubehör. Alles ordentlich in Reih und Glied aufgehängt und sortiert.
Alles schön in Reih und Glied geordnet schafft Ordnung, nimmt aber auch den Raum sich zu entfalten.

Vom Zick-Zack-Lebenslauf: Wenn die Neugier die Regie übernimmt

Auf meiner Homepage steht: Ich habe wohl eher das, was man einen Zick-Zack-Lebenslauf nennt. Denn tatsächlich bin ich mit dem Abschluss der Schule aus der oben beschriebenen Enge ausgebrochen.

Meine Neugierde hat übernommen und bestimmt seitdem (mal mehr, mal weniger), in welche Richtung der Weg weitergeht. Ich probiere mich aus, auch wenn das heißt, dass mein Gegenüber im ersten Moment irritiert ist, weil ich unerwartet abbiege. Ich folge den Ideen, die in mir Begeisterung auslösen. Und das bedeutet auch, dass ich selten eines meiner Angebote eins zu eins wiederhole.

Dennoch kann ich heute auf eine abgeschlossene Ausbildung und ein abgeschlossenes Studium zurückblicken. Ich kann von meiner Selbstständigkeit leben, ohne 24/7 an oder für mein Business zu arbeiten. Ich blicke auf Lebenserfahrungen zurück, die mir keiner mehr nehmen kann.

So habe ich vielleicht heute nur noch wenig mit dem Theater am Hut. Als ehemalige Bühnen- und Kostümbildnerin habe ich aber gelernt, Struktur, Ordnung und Ästhetik gleichermaßen in mein Denken und meine Handlungen einfließen zu lassen. Damals ausgerichtet auf eine gelungene Premiere, heute ausgerichtet auf Klarheit und handlungsfähige Entscheidungen, die ich meinen Klient*innen ermögliche.

Foto eines Bühnenbilds bestehend aus Obstkisten, die zu Türmen gestapelt sind und somit Durchgänge und neue Räume auf der Bühne schaffen.
Theater spielt mit dem Gegensatz zwischen Ordnung und Chaos, Struktur und Raum, Eindeutigkeit und Komplexität.

Kreativität & Intuition: Das Herz entscheidet, der Verstand folgt

Das, was ich auf meinem vermeintlich chaotischen Weg immer deutlicher gespürt habe: Ich kann mich auf meine Intuition und auf mein Herz verlassen. Während der Verstand wieder und wieder Argumente hervorgebracht hat, warum ich z. B. die unbefristete Stelle nicht kündigen sollte, ein Umzug karrieretechnisch keine gute Idee sei oder ich doch bitte nicht diesen wunderbaren Mann verlassen darf, wusste mein Herz bereits, dass ich damit nur aufschiebe, was es längst entschieden hat.

Klar konnte ich mich nicht vollkommen frei machen von den Argumenten meines Kopfes und habe so manche Entscheidung länger hinausgezögert, als mir guttat. Aber am Ende ist eben doch immer die Entscheidung gefallen, die mir jedes Mal eine riesige Last von den Schultern genommen hat. Einfach weil ich wusste: Es ist richtig, wenn auch nicht der konventionelle Weg.

Und spätestens wenn ich die Weite wieder fühlen konnte, hat auch der Verstand eingelenkt und gesagt: „Hab’ ich doch gleich gewusst.“ 😉

Lebendigkeit statt Hamsterrad: Dein individueller Weg zu echter Stabilität

Tatsächlich hat die Unlinearität einen weiteren Vorteil: Sie katapultiert dich direkt heraus aus deinem selbstgebauten Hamsterrad. Denn auch wenn uns dieser Käfig immer eine gewisse Sicherheit schenkt (oder sollte ich besser sagen: suggeriert?), lässt er uns nie ankommen.

Vielleicht beschert uns die Unlinearität den einen oder anderen Umweg. Ganz bestimmt sogar. Aber statt uns im Kreis zu drehen, immer und immer wieder an der gleichen Szenerie vorbei, entdecken wir immer mehr, wer wir wirklich sind, was uns gefällt und was uns eben nicht gefällt.

Und dieses Wissen um unseren eigenen Kern, um das, was uns ausmacht, schenkt uns die Stabilität, nach der wir uns sehnen. Es ermöglicht uns, Entscheidungen zu treffen, die unseren eigenen Erwartungen an das Leben entsprechen – und nicht den Wünschen und Träumen anderer.

Es ermöglicht uns, trotz turbulenter Zeiten und trotz Aufs und Abs dem Leben mit seinen unterschiedlichsten Facetten zu begegnen und das zu erfahren, was es für jeden ganz individuell zu erfahren gilt.

Blauer Himmel mit einer dunklen Wolke, die von unten links indes Bild hineinragt. Im Hintergrund ein Schwarm Vögel.
Ein Himmel mit Wolken und Vögeln ist für mich der Inbegriff von Weite.

Ein neues Wählen: Erlaube dir deine eigene Unlinearität

Wenn du dich das nächste Mal dabei ertappst, dass du dich im Kreis drehst, dann überlege dir: Was kann der erste kleine Schritt sein, raus aus der Linearität? Vielleicht ist es nur eine andere Art, morgens zur Arbeit zu kommen (um überhaupt erst einmal anzufangen), vielleicht ist es aber auch der Jobwechsel, vielleicht ist es, dass du dir endlich zutraust, präsent und sichtbar mit Ecken und Kanten durchs Leben zu gehen – oder auch die Erlaubnis, dein Leben komplett auf den Kopf zu stellen. Wer weiß das schon.

Ich weiß nur: Es lohnt sich. Denn ehrlicherweise wissen wir sowieso nicht, was die Zukunft bereithält. Und bevor uns diese Ungewissheit irgendwann kalt erwischt, ist es doch tausendmal besser, ihr einfach freudestrahlend ein Stück entgegenzugehen.

Deine Erlaubnis für heute: Du musst nicht den Weg gehen, den alle gehen. Welcher kleine Schritt raus aus der Linearität wartet heute darauf, von dir gegangen zu werden?

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Katja Reetz – Strategische Gestaltung | Visuelle Architektur | Prozessenergie

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