Last Updated on 20. Februar 2026 by Katja Reetz Visualcoaching
Die letzten Wochen und Monate hat sich die KI nach und nach in mein Leben geschlichen. Ganz subtil, so wie mein innerer Schweinehund das auch gerne tut. Zunächst habe ich nur einige Dinge nachgeschlagen bzw. sie mir von der KI beantworten lassen. Dann habe ich angefangen sie nach besseren Betreffzeilen für meinen Newsletter zu fragen (meine fand ich immer ziemlich langweilig).
Nach und nach habe ich sie mit meinen Texten gefüttert und sie gebeten, sie zu kürzen, auf Rechtschreibung zu korrigieren und / oder Vorschläge zu machen, wie ich den ein oder anderen Gedanken schneller auf den Punkt bringen kann. Und ehe ich mich versehen habe, habe ich sie als Sparringspartner genutzt und steckte mitten drin in der Diskussion über das, was ich schreiben wollte und was der vermeintliche Kern des Textes ist.
Am Ende war ich genervt und gestresst. Hatte jedes mal ein maues Gefühl, fragte mich, ob meine Texte an Eigenheit verlieren (Ja, tun sie!) und wollte gleichzeitig, dass sie in dem gängigen Einheitsbrei da draußen nicht untergingen. Ecken und Kanten in Zeiten von KI sind zwar gewünscht, aber nur, wenn sie sich möglichst geschmeidig lesen lassen. Da bleibt nicht nur die Kreativität auf der Strecke, sondern auch die Klarheit.
Aus genau diesem Grunde bin ich eingetaucht in dieses Thema und fasse dir hier mal meine wichtigsten Erkenntnisse zusammen.
Liebe KI, mach doch bitte mal langsam! KI und Schnelligkeit.
KI und Schnelligkeit. Ein Dreamteam. Die KI spart uns Zeit. Sie übernimmt unliebsame Dinge und wir können uns den Dingen widmen, die uns wirklich wichtig sind. Klingt nicht nur verlockend. Ist auch verdammt verlockend. Bis….
Bis zu dem Zeitpunkt, wo dir bewusst wird, dass es die ewige Suche nach noch mehr Effizienz ein Eigentor ist. Es ist ein bisschen wie bei Momo. Die KI schenkt uns nicht wirklich mehr Zeit. Sie beschleunigt aber unseren ohnehin schnellen Alltag noch mal um ein Vielfaches.
Konkretes Beispiel aus meinem Leben:
Ich schreibe meine Texte in der Regel handschriftlich (vor.) In einem zweiten Schritt, tippe ich das Ganze dann in den Computer. Ja. Das kostet Zeit. Tatsächlich schärfen sich dabei aber noch einmal meine Gedanken. Der Text erhält so automatisch eine erste Überarbeitung. Dann erst lade ich ihn auf meinem Blog hoch.
Die KI suggeriert mir, dass es doch schneller geht, wenn ich ihr einfach meine Ideen präsentiere und sie mir dann einen hübschen Text dazu ausspuckt. Ich kann ihr noch sagen, in welchem Stil sie das machen soll, wer meine Zielgruppe ist, etc. p.p. Und ich staune immer wieder, wie schnell ein auf den ersten Blick gut klingender Text dabei herauskommt.
Beim zweiten oder dritten Lesen, merke ich jedoch, dass es überhaupt nicht den Gedanken trifft, den ich eigentlich vermitteln wollte. Blöd gelaufen. Aber hey. Merkt ja keiner!? Und schneller ging es in jedem Fall.
Aber wollen wir wirklich in einer Welt, die immer schneller wird, bewusst das Tempo noch erhöhen. Oder geht es gerade eigentlich darum eher das Tempo rauszunehmen und wieder bewusst wahrzunehmen und den Dingen die Zeit einzuräumen, die sie brauchen? Und damit auch wieder „fühlbar“ zu machen, was uns beschäftigt?

Liebe KI, geht es auch ein bisschen weniger perfekt? KI und Perfektionismus.
Die KI ist wunderbar, wenn mich mal wieder Zweifel und Unsicherheiten gelähmt vor meinem nächsten Blogartikel sitzen lassen. Und gleichzeitig bedient sie meinen hohen Anspruch an mich und die Qualität meiner Arbeit. Zumindest scheinbar. Ich bin überzeugt davon, dass sie die spannenderen Betreffzeilen formulieren kann. Und ein Teil von mir meint, dass die Texte der KI sich besser lesen lassen, etc.
WARUM traue ich der KI mehr zu, als mir selbst?
Ich traue der KI mehr zu, weil sie auf sehr viel mehr Daten zurückgreifen kann, keine langen Schachtelsätze produziert, kein innerer Kritiker ihr Einhalt gebietet oder hinterfragt, ob man das so schreiben kann.
Das lässt sich erst einmal nicht abstreiten. Und doch bin ich überzeugt: Unsere Welt braucht keine glatt gebügelten perfekten Texte / Bilder / Musik / o.a. Unsere Welt braucht Menschen, die bereit sind, sich zu zeigen, mit ihren Ecken und Kanten. Mit ihren Makeln und ihren Schwächen. Und KI wirkt dem massiv entgegen.
In der Kunst weiß man, wenn man alle Farben zusammen mischt, kommt am Ende ein undefinierbares Braun heraus. Die Ergebnisse, die KI uns ausspuckt, ist ein Konglomerat aus vielen Gedanken und Ideen mit denen die KI gefüttert wurde. Wer schöne leuchtende Farben will, der sollte sich trauen seine Einzigartigkeit zu zeigen. Ich tue das auf die Gefahr hin, dass Menschen, das was ich schreibe uninteressant, zu lang, zu diffus oder zu komplex finden können.
Liebe KI, Sport täte dir auch ganz gut! KI und Bequemlichkeit.
Das ist vielleicht einer der kritischste Punkte in Umgang mit KI. Es ist herrlich bequem und kostet mich nur wenig Gehirnschmalz, wenn die KI für mich innerhalb kürzester Zeit eine Überschrift, eine Struktur, eine Übung oder ähnliches generiert. Ich muss mich mit dem Thema nicht tiefer auseinandersetzen.
Bei Themen, die mich nicht interessieren. Bitte. Aber bei einemThema, das mich beschäftigt, wo ich eine Meinung zu haben, wo ich für brenne, ist doch gerade die Auseinandersetzung damit etwas, was es so wertvoll macht. Warum sollte ich diesen Prozess abkürzen? Abkürzen wollen?Ach so ja. Da warten ja die Dinge auf mich, mit denen ich mich wirklich gerne beschäftigen würde.
Diese Bequemlichkeit nicht mehr in komplexen Zusammenhängen denken zu wollen, breitet sich allmählich immer weiter aus. Es berührt nicht nur jeden persönlich und die eigenen Lebenswelt, sondern unsere gesamte GESELLSCHAFT. Und es bietet damit die perfekte Angriffsfläche für Manipulationen. Es ist wie ein Muskel, der abnimmt, wenn man ihn nicht trainiert.
Damit hat die Bequemlichkeit einen hohen Preis. Ich gebe zu, es ist manchmal bequemer auf dem Sofa sitzen zu bleiben, als noch zum Sport zu gehen. Bequemer durch Insta zu scrollen, als ein Buch zu lesen. Kurzfristig sehr verständlich. Langfristig ein ziemliches Desaster. Und definitiv ein Sieg für unseren inneren Schweinehund.
Punkt, Punkt, Komma, Strich… Liebe KI, das ist kein Mondgesicht. KI und Kreativität.
„Kreativer Fortschritt entsteht durch Regelbruch – und das macht kein einziges funktionierendes digitales System.“ sagt Henning Beck über Kreativität, KI und den Wert von Ideen.
Und ich wünsche mir nichts mehr, als das wieder mehr Regeln gebrochen werden. Wir wünschen uns alle Veränderung und verlassen uns dabei auf ein System, dass nur aus dem heraus etwas erschaffen kann, was bereits schon gedacht wurde. Klar gelingt es der KI dieses Wissen und die ungeheueren Mengen an Daten in einem enormen Tempo und in unglaublich vielen Variationen miteinander zu kombinieren. Aber ob dadurch etwas wirkliche Neues entsteht, wage ich zu bezweifeln.

Konkretes Beispiel
Beim Erproben auf dem Papier entsteht etwas ganz Erstaunliches. Wir sammeln Erfahrungen, durchdringen ein Thema, ein Material, Farben, Gewürze, den Klang eines Instruments, die Bewegung unseres Körpers, einen Text. Wenn wir die Freude daran verlieren und uns die Lust am Erforschen und am Durchdringen verloren geht, dann fehlt uns diese Nuance auch im alltäglichen Leben.
Wer sich also gerade nach Veränderung sehnt, der sollte ganz unbedingt wieder seine eigen Kreativität wecken. Denn auch das ist ein Muskel, der trainiert werden will. Und je mehr wir unsere Kreativität einsetzen, desto mehr entfaltet sie sich.
KI, du unterläufst unsere Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit
Vielleicht ist es genau das. Die KI nimmt uns nach und nach unsere Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit ab. Die braucht es aber, um die Veränderung in der Welt, deinem, Unternehmen, deinem Arbeitsplatz oder deinem privaten Leben zu kreieren und aktiv zu gestalten.
Es geht darum wieder Verantwortung zu übernehmen. Für unsere Gedanken und vor allem für unser Handeln. Die KI führt dazu, dass wir uns vor dieser Verantwortung drücken. Erst nur bei den Betreffzeilen, dann bei der Rechtschreibung, dann beim Schreiben eines ganzen Textes.
Und wenn wir uns in diesem Bereich ↑ schon vor Verantwortung drücken und der Meinung sind, dass eine KI unsere Gedanken und Ideen besser ausdrücken kann, als wir selbst das können, wie können wir dann gleichzeitig von uns selber erwarten, dass wir mutig und bereitwillig Entscheidungen treffen, Verantwortung für unsere nächsten Schritte übernehmen und diese dann auch noch ganz eigenständig gehen?
Wenn du gerade an einem Punkt stehst, der von dir klare Entscheidungen und Handlungsfähigkeit fordert, dann frag’ nicht die KI. Ich arbeite mit dir an deiner Klarheit, deiner Kreativität und dem Mut dich der Komplexität zu stellen.
Dieser Text ist von der ersten bis zur letzten Zeile ohne KI geschrieben. Die KI hat mich weder beim Finden einer passenden Überschrift (und über die habe ich wirklich lange nachgedacht) noch beim Strukturieren oder bei der Rechtschreibung geholfen. Dafür übernehme ich die volle Verantwortung. Und ja, der Drang nur mal schnell die KI zu fragen, war immens 😉






