Aktueller Impuls

Du liest eine Leseprobe meines monatlichen Impulses. Ein Denkraum für alle, denen Verstehen allein nicht reicht – und die ihr Wissen endlich in echte Wirksamkeit übersetzen wollen.

dunkelblauer Hintergrund, von rechts Pastellkreidespuren in rot und pink. Text : Somme, Sonne & the good things.

Ende der Woche starten in NRW die Sommerferien. „Endlich!“, mag manch einer von euch denken. Völlig erschöpft Richtung Strand taumeln, um den Akku irgendwie wieder aufzuladen.

Was aber, wenn wir uns nicht mehr von Ferien zu Ferien hangeln müssten, damit das Leben erträglich bleibt? Was, wenn der Alltag so gestaltet ist, dass die Ferien nicht die Rettungsinsel sind, sondern einfach die Kirsche auf der Sahnehaube?

„Geht nun mal nicht!“, „Zu schön, um wahr zu sein“, „Nicht jede:r kann seinen Job so lieben“, „Manchmal muss man halt in den sauren Apfel beißen.“

Ja, ich kenne diese Argumente. Und ich behaupte jetzt mal ganz frech: Jedes einzelne davon ist eine verdammt gut getarnte Ausrede, um genau so weitermachen zu können wie bisher. Weil das Bekannte so schön bequem ist – selbst wenn es uns müde macht.

Anfang des Monats war ich auf einer Lesung von Jannis Johannmeier. Sein Buch heißt „Propaganda for the good“. Ich kann nicht bei allem mitgehen, was er beschreibt. Es gibt definitiv Anteile in mir, die skeptisch bleiben oder sogar in den Widerstand gehen. Aber da ist eben auch ein Anteil, der fasziniert ist. Von der Radikalität des Guten.

Daher lade ich dich jetzt auf ein kleines Experiment ein. Einzige Voraussetzung: Du erlaubst dir, dich wirklich einzulassen, statt jede Idee sofort im Keim zu ersticken.

Das Experiment:

Stell dir vor, ich verspreche dir, dass du nächstes Jahr um diese Zeit maximal entspannt in die Ferien gehst. Und dafür musst du ab August lediglich eines tun: Deine Arbeitszeit – und damit deine To-Do-Liste – radikal um 50 % reduzieren.

Erlaube dir für einen kurzen Moment, diesen Gedanken nicht sofort mit logischen Argumenten wegzubügeln. Was würde das für dich heißen?

Und? Ist es dir gelungen, dich einzulassen? Oder schossen sofort die Einwände hoch? „Schön wär’s, aber wer korrigiert dann die Klausuren?“, „Mein Chef springt mir ins Gesicht!“, „Dann schaffe ich meine Deadlines nicht“, „Das Geld reicht hinten und vorne nicht.“

Falls du den Raum für eine Sekunde halten konntest: Welche Aufgaben würdest du sofort streichen? Welche Meetings absagen? Was würdest du mit der gewonnenen Lebenszeit anstellen?

Hier kommt der eigentliche Dreh:

Warum halten wir so oft am Alten fest und rennen lieber sehenden Auges in die totale Erschöpfung, statt etwas zu verändern? Weil unser Gehirn es liebt, wenn es eine Situation einschätzen kann. Wir ertragen lieber den vertrauten Überlastungs-Schmerz, als das Risiko des Unbekannten einzugehen.

Das Problem ist nur: Die Illusion von Sicherheit funktioniert heute nicht mehr. Keiner von uns kann sagen, wie sich unsere Arbeitswelt, die Gesellschaft oder das System Schule in den nächsten Monaten entwickeln.

Im Worst Case arbeiten viele von uns nächstes Jahr um diese Zeit tatsächlich 50 % weniger – oder unter völlig veränderten Bedingungen. Weil wir im Burnout landen, weil Stellen gestrichen werden, weil Abteilungen wegrationalisiert werden oder das System kollabiert. Und damit wird das, was sich gerade noch als „zu schön, um wahr zu sein“ las, plötzlich zu einem Horror-Szenario der Ohnmacht.

Derselbe Umstand. Völlig andere Energie. Warum? Weil es eine Frage der Perspektive ist – und davon, ob du gestaltest oder nur noch reagierst.

Wir können die Systeme da draußen oft nicht direkt ändern. Aber wir können aufhören, uns in die Erschöpfung zu flüchten, um der eigenen Gestaltungsaufgabe zu entkommen. Wenn wir nicht lernen, das Neue proaktiv und selbstbestimmt einzuladen, werden wir von den Veränderungen da draußen nur noch gelebt, statt dass wir selbst leben.

Die Sommer-Praxis: Vom Reagieren zum Agieren

Als ersten Schritt lade ich dich zu einer Sommer-Challenge für die nächsten vier Wochen ein:

Entscheide dich bewusst, das Neue zu entdecken und in dein Leben einzuladen.

  • Schritt 1: Wähle einen konkreten Bereich (deinen Alltag, deinen Job, deine Abendroutine).

  • Schritt 2: Mach dir bewusst: Was hast du bisher dort getan? (Was ist die alte Routine?)

  • Schritt 3: Frage dich: Was kann ich radikal anders machen? Trau dich, absurde und abwegige Ideen zu denken. Du erweiterst damit deine Kapazität für das, was überhaupt denkbar ist.

  • Schritt 4: Frag dich, was dich ermutigt, diese neuen Schritte zu gehen. Ist es die Sehnsucht nach echter Lebendigkeit? Nach mehr Autonomie? Oder einfach der Wunsch, endlich wieder am Steuer des eigenen Lebens zu sitzen?

Ich wünsche dir einen Sommer voller absurder, mutiger Ideen und eine gute Zeit zum Nachspüren.

Liebe Grüße
Deine Katja 🖍

Porträt von Katja Reetz, den Blick leicht nach links gerichtet, fröhlich lächelnd vor graublauem Hintergrund

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